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Covertext:
Das Stück erzählt eine Geschichte von Männern und Frauen, Arbeitern und Intellektuellen, Kommunisten und Feinden der Revolution und ihren Beziehungen zueinander in den Jahren des schweren Anfangs in der Sowjetunion. Der Schlosser Gleb Tschumalow, als Regimentskommissar aus dem Krieg heimkehrend, findet seine Stadt in ein Dorf verwandelt, das Zementwerk in einen Ziegenstall, seine Frau in einen Menschen. Der kommunistische Arbeiter ist als Mann noch ein Besitzer, die Frau besteht auf ihrer Gleichberechtigung. Tschumalow gelingt es, den Ingenieur Kleist, seinen Todfeind, für den Wiederaufbau des Zementwerks zu gewinnen; seine Frau verliert er an die Revolution, die vor Heim und Herd nicht haltmacht. Nach Bürgerkrieg, Intervention und Blockade ist der Hunger sowjetischer Alltag. Der Vorsitzende des Exekutivkomitees Badjin, mit der Produktion des Überlebens beschäftigt, begrüßt die Gewinnung Kleists und hält die Produktion von Zement noch nicht für möglich. An der NÖP, Konsequenz der ökonomischen Rückständigkeit Rußlands und des Ausbleibens der sozialistischen Revolution in Deutschland, scheiden sich die Geister. Der Intellektuelle Sergei lwagin, ein ehemaliger Menschewik, fetischisiert den Terror. Polja Mechowa, die an der Front gekämpft hat, romantisiert den Krieg. Nicht alle, die den Weg der Revolution gehn, begreifen jeden Schritt. Mit dem Bau des Zementwerks beginnt der konkrete Sozialismus.
Ich kann es nicht besser sagen als Feuchtwanger: Was mich an der Geschichte interessiert, ist das Feuer, nicht die Asche. Ich wäre froh, wenn „Zement“ begriffen würde als ein Beitrag gegen die politische Weltverschmutzung durch antisowjetische Propaganda; die Darstellung der Kämpfe und Mühen von gestern als eine Ermutigung im heutigen Klassenkampf; die Helden des Stücks als Vorbilder, die nicht in allem vorbildlich sind: Man kann von ihnen auch noch lernen, das und das besser zu machen als sie.
Heiner Müller, 1973
Heiner Müller
Geb. am 9. Januar in Eppendorf (Bezirk Karl-Marx-Stadt). Seit 1951 journalistische und schriftstellerische Arbeiten in Berlin. Seit 1957 Schriftsteller und Dramaturg an verschiedenen Berliner Theatern, seit 1973 am Berliner Ensemble. 1959 Heinrich-Mann-Preis, 1975 Lessing-Preis.
Heiner Müllers Schaffen umfaßt Lyrik, erzählerische Prosa, Dramatik, Übersetzungen und Bearbeitungen dramatischer Werke der Weltliteratur, ein Opern-Libretto sowie kritisch-essayistische Arbeiten.
Stücke: „Der Lohndrücker“ und „Die Korrektur“ zus. mit Inge Müller (1956/58). „Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande“ (1955/61), „Der Bau“ (1963/64), „Philoktet“ (1958/64), „Herakles 5“ (1964), „Der Horatier“ (1968), „Weiberkomödje“ nach I. Müller (1969), „Macbeth“ nach Shakesspeare (1971), „Zement“ nach F. Gladkow (1972/73). „Die Schlacht“ (1955/75).
Fjodor Gladkows Roman und Heiner Müllers Stück "Zement" erschienen in Reclams Universal-Bibliothek, Band 638, Leipzig 1975.
„Zement“ wurde am 12. Oktober 1973 vom Berliner Ensemble uraufgeführt. Buch- und Bühnenvertriebsrechte beim Henschelverlag Kunst und Gesellschaft.
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