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Covertext:
Helft mir, die Dunkelheit zerstreu’n,
die Nacht zertrümmern,
die Schatten verwandeln in tausendfältig Licht.
In tausend Träume, tausend wirbelnde Träume aus Licht.
Langston Hughes
Diese Schallplatte vermittelt kein beschauliches Amüsement für den Lehnstuhl, sie läßt mit Inhalt und Machart aufhorchen, provoziert aktive Hörhaltung, Mitdenken, Stellungnahme, zweifelsohne auch Für und Wider.
Wie hier Lyrik dominierend afroamerikanische im Kontext von Wort, Musik und phonotechnischem Raffinement mit Zeitgeist zur Darbietung gebracht ist, steht ziemlich außerhalb konventioneller ästhetischer Verbindlichkeit und bekundet mutiges, experimentierfreudiges Engagement. „Schwarze Lyrik“ hat in Europa im Prinzip erst nach Beseitigung der chauvinistisch-bornierten Kulturbarrieren, die der Faschismus gegenüber „artfremder“ Kunst errichtet hatte, ihren Eingang gefunden.
Schon 1948 erschien bei uns der erste Sammelband mit „Dichtungen amerikanischer Neger“, und es erlangten in der Folgezeit diesbezügliche öffentliche Veranstaltungen in der Regel Lyrik-Jazz-Kombinationsprogramme vielerorts ganz erstaunlichen Zuspruch. Dies erscheint der Erwähnung wert, da die seinerzeit wirkungsvollsten, oft Betroffenheit hervorrufenden Gedichte mit ihrer zutiefst humanistischen Aussagequalität auch unserer Schallplattenproduktion ihren faszinierenden poetischen Reiz und Wert verleihen. Die ausgewählte Lyrik mit Ausnahme der beiden Gedichte aus der Feder des Afrikaners Oswald M. Mtshali reflektiert die geistig-kulturelle, von erwachendem Selbstbewußtsein geprägte Aufbruchphase des „Schwarzen Amerika“, wie sie nach dem im Jahre 1865 beendeten amerikanischen Bürgerkrieg (dessen progressivstes Resultat die gesetzliche Abschaffung der Negersklaverei war) erste vage Konturen annahm und schließlich in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts ihren ersten Höhepunkt erreichte. Zum Kristallisationszentrum jener Entwicklung war im Herzen von New York City der Stadtteil Harlem gereift (größtes Negerghetto in den USA, nördlicher Teil der Insel Manhattan von ca. 13 km2 Fläche, in den zwanziger Jahren an die 300 000, heute 600 000 Einwohner). Das Besondere, ja Wesentlichste des kulturellen Emanzipationsprozesses stellte die Herausbildung einer eigenständigen Afro-amerikanischen Kultur dar, als Komplexität von Musik (Jazz), Tanz, Malerei, Bildhauerei und nicht zuletzt Literatur. Die in der Regel jungen Autoren (oftmals Lyriker, Schriftsteller und Dramatiker in Personalunion) stellten in ihren Werken, vor allem den lyrischen, betont engen Bezug zur eigenen Geschichte und kulturellen Tradition her, unter Verwendung von inhaltlichen und formalen Gestaltungselementen der unverändert lebendigen afroamerikanischen Folklore (z. B. direkte Bildhaftigkeit, Naivität, Gleichnis, Spott, Selbstironie). Ein typisches Merkmal war das Aufgreifen von Sprache und Rhythmus des Blues, Spiritual und Gospelsong, verschiedener kultischer Überlieferungen sowie spezifischer Charakteristika der Gospelpredigt. Die dergestalt originelle, im reinsten Wortsinn volksverbundene Lyrik diente und dient einem Hauptanliegen: Widerspiegelung des Lebens des afroamerikanischen Volkes, seines historischen Leidensweges, seiner gesellschaftlichen und privaten Probleme, seiner Hoffnungen, Träume und Freuden, seiner Sehnsucht nach Glück und Menschenwürde, seines Kampfes um Gleichberechtigung, seiner unbezwingbaren Zuversicht auf ein Leben in Freiheit in einem wahrhaft demokratischen Amerika; eine Thematik, deren Wurzel die gleiche ist, wie sie auch die noch relativ junge afrikanische Lyrik, speziell unter Apartheid-Bedingungen, motiviert. Das inhaltliche Profil dieser Lyrikzusammenstellung wird im wesentlichen von führenden Vertretern der ersten afroamerikanischen Literatur-Avantgarde geprägt, deren bedeutendster Repräsentant Langston Hughes (19021967) gewesen ist, als der „Dichter Harlems“ unvergessen und unvergänglich.
„Ströme“ entstand nach einer Konzeptionsvorgabe von Wolfgang Dehler. Nach jahrelanger Beschäftigung mit der Spezifik afroamerikanischer und afrikanischer Dichtung, wozu auch eigene literarisch-musikalische Programme zählen, reifte die Idee zu einer Schallplattenproduktion mit der erklärten Absicht, jene Lyrik durch möglichst vielfältige und diffizile Wahl der künstlerischen und technischen Mittel in deren organischer Einheit zu neuer Wirkung zu bringen und mit Hilfe sehr variabler, oft experimenteller Vortragsweisen auch ihre Gegenwärtigkeit auf besondere Weise bewußt zu machen. Dehler gewann in dem Dresdner Komponisten Tobias Hartleb einen höchst engagierten Mitstreiter. Hartleb schuf vielschichtige, anspruchsvolle Kompositionen/Partituren, deren Grundgestus auf vom Jazz-Idiom abgeleiteten Bezugslinien zu Blues, Gospel und zeitgenössischer Popmusik beruht. Von gravierender Bedeutung im kompositorischen Komplexgefüge erweist sich die Idee einer „zusätzlichen menschlichen Stimme“ (solistisch, mehrstimmig, versetzt geschichtet, singend, sprechend, rezitativ) in ihrer „technisierten“ dramaturgischen Funktion; ihre Absicht ist ein Maß an Tiefenlotung des gedanklichen Vorganges und an gegenpoliger Spannung (Beispiel: „Messingspucknäpfe“), wie dies in „trockener“ Vortragsmanier niemals zu erzielen wäre. Für die Lösung dieser komplizierten Aufgabenstellung wurde Ruth Hohmann gewonnen. Kreativer, gewohnte Gleise negierender Elan hat der „Negerlyrik aus zwei Kontinenten“ eine ästhetische Dimension vermittelt, die deren poetische Größe und die Zeitlosigkeit ihrer Bedeutung als humanistische Kunst auf bezwingende Weise deutlich macht.
Karlheinz Drechsel
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| Seite 1 |
Der Neger spricht von den Strömen
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Eva Hesse
Der Neger
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Eva Hesse
Die Negerin
Text: Waring Cuney
Nachdichtung: Eva Hesse
Der Spielmann
Text: Fenton Johnson
Nachdichtung: Eva Hesse
Nachtlied
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Eva Hesse
Hilfreiche Geister
Text: Gwendolyn Brooks
Nachdichtung: Paridam von dem Knesebeck
Bienenstock
Text: Jean Toomer
Nachdichtung: Eva Hesse
Trommel
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Paridam von dem Knesebeck
An der Himmelstür
Text: Oswald M. Mtshali
Nachdichtung: Heinz Kahlau
Tempo di marcia
Text: Melvin B. Tolson
Nachdichtung: Stephan Hermlin
Messingspucknäpfe
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Stephan Hermlin
Da ich älter wurde
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Paridam von dem Knesebeck
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Susanna Jones
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Paridam von dem Knesebeck
Nachtwächterblues
Text: Oswald M. Mtshali
Nachdichtung: Heinz Kahlau
Vier Schnappschüsse von der Nacht
Text: Frank Marshall Davis
Nachdichtung: Janheinz Jahn
Für eine Dame, die ich kenne
Text: Countee Cullen
Nachdichtung: Karl-Heinz Osterholz
Das Karussell
Text: Langston Hughes
Nachdichtung: Janheinz Jahn
König der Gasse
Text: Fenton Johnson
Nachdichtung: Eva Hesse
Die Schöpfung eine Predigt
Text: James W. Johnson
Nachdichtung: Eva Hesse
Der Prediger murmelt nach der Predigt
Text: Gwendolyn Brooks
Nachdichtung: Janheinz Jahn
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Gesang, Sprache: Wolfgang Dehler, Ruth Hohmann
Kompositionen und Arrangements: (Titel 1, 5, 9, 12, 1315, 19, 20), Rhythmisierung (Titel 11): Tobias Hartleb
Musikalische Leitung, Tasteninstrumente: Michael Fuchs
Baßgitarre: Roger Goldberg
Schlagwerk: Wassilis Papadopulos
Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Schnitt: Christa Blaumann
Aufnahmeleitung: Jürgen Schmidt |
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