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Covertext:
„Heute Abend: Lola Blau“ war bei der Uraufführung in Wien ein unbestreitbarer Erfolg. Statt der vorgesehenen 30 Vorstellungen wurden es etwa 150 Vorstellungen. Aber dann passierte nichts mehr. Es war Maria Malle, die dem Stück fast 10 Jahre nach der Uraufführung internationale Anerkennung brachte.
Nachdem sie es am Metropoltheater Berlin spielte, wurde es nicht nur an zahlreichen Bühnen der DDR nachgespielt, sondern auch in der Bundesrepublik, in Österreich und in der Schweiz fanden sich eine Menge Lola Blaus und danach in Dänemark, Ungarn, Finnland, Jugoslawien und sogar Australien, natürlich immer in der jeweiligen Landessprache.
Für mich, den Autor und Komponisten, ist es doppelt erfreulich, daß Maria Malle ihrem Bühnenerfolg nun eine Schallplatte nachschickt. Nicht nur, weil jeder Autor letztlich schreibt, um von möglichst vielen Leuten gelesen und gehört zu werden, sondern auch weil „Lola Blau“ außergewöhnlich viel Herzblut von mir enthält. Wie Lola Blau wurde auch ich im Jahr 1938 durch den Einmarsch Hitlers in Österreich in die amerikanische Emigration gezwungen; wie Lola Blau trat ich in amerikanischen Nachtlokalen auf; wie Lola Blau kehrte ich nach Kriegsende nach Wien zurück und fand dort meinen Weg ins Kabarett. Und auch sonst gibt es einige Parallelen in unseren Lebensläufen.
Wer die Hitlerdiktatur miterlebt hat, weiß automatisch, wie notwendig es ist, immer wieder darauf hinzuweisen, immer wieder zu erzählen, was damals geschah, und immer wieder zu mahnen, es nicht noch einmal geschehen zu lassen. Auch ich habe das getan und tue es heute, und ich tue es in der mir gemäßen Form: mit Liedern, mit Theaterstücken, mit Humor. Im Fall der „Lola Blau“ brauche ich dazu eine Interpretin, und da ist Maria Malld ein Glücksfall. Sie ist eine hervorragende Schauspielerin, sie ist eminent musikalisch, und sie hat das Gespür für die Psyche einer Verfolgten, die das Pech hat, in ihrem Unglück mit Humor gesegnet zu sein. Letzteres ist besonders schwer, aber da Maria Malle es zuwege bringt, kann ich Ihnen guten Gewissens beim Anhören dieser Schallplatte viel Vergnügen wünschen.
Georg Kreisler
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