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Covertext:
Unter sein Porträt im Karikaturenband „Eulen-Leute“ hat er geschrieben: „Vermutlich wäre ich längst General, hätten mich nicht Hansgeorg Stengel als Individuum und der Eulenspiegelverlag als Institution ermuntert, statt dessen lieber ein heiterer Poet zu werden. Zum Glück für dieses Bändchen: Generäle karikiert man hierzulande nicht!“
Das klingt so, als sei ich mindestens Bremsklotz auf Rudi Strahls militärischer Laufbahn gewesen. Entrüstet weise ich jeglichen Argwohn zurück, der mir Mittäterschaft bei so niederträchtigem Komplott unterschiebt.
Natürlich fand ich immer, daß der Autor dieser Langspielplatte im weiten Bereich der komischen Literatur gut aufgehoben sei. Andererseits aber wäre der Reserve-Hauptmann Strahl bestimmt ein guter General geworden, einer, der selbst unbequemste Kommandos und Befehle mit einem milden Lächeln und vielleicht einer Zeile frohgemuter Poesie dekoriert oder, um ganz im Bild zu bleiben, überstrahlt hätte.
Und wer hat die Legende in die Welt gesetzt: Generale seien nicht karikierbar. Gerade der Rudi Strahl, der mit seinem Federkiel nahezu alle literarischen Territorien betreten hat, bewies mit „Der Reserveheld“, einem Drehbuch, das zu erfolgreichem Kinofilm gedieh, wie selbstverständlich in unserem Heimatland auch das Antlitz der Armee und ihrer (selbst hochgestellter) Angehörigen in den Bereich Humor & Satire einbezogen ist.
Es gibt eine weitere oft publizierte Strahl-Behauptung, die bei allem Verständnis für Fragmente und deren Relativität mindestens einer kosmetischen Behandlung bedarf: Stengel sei für die Reime und sogar für einige Formulierungen in den Gedichten des Verfassers der Versbände „Souvenirs, Souvenirs“, „Mit tausend Küssen“, „Von Augenblick zu Augenblick“, „Ewig und drei Tage“, „Von Mensch zu Mensch“ und „Eine Wendeltreppe in den blauen Himmel“ verantwortlich zu machen. Da diese These aus wohlwollender Gesinnung keimt, muß Strahl zum Lobe und zur Ehre festgestellt werden: Mein großes Vorbild, was Lebensgefühl, Stimmung und Versmaß betrifft, war auf dem Gedichtsfeld gestern und ist heute noch Erich Kästner. Ich zweifle nicht, daß Rudi Strahl ähnliche Zuneigung empfindet. Einigen wir uns also, wenn wir schon Inspiration delegieren, auf den gemeinsamen Ahnherrn Kästner.
Unser Mann aus Berlin-Hessenwinkel hat, wie man hier wieder fünfzig Minuten lang hören kann, wunderschöne Lieder, Balladen, Romanzen und Bekenntnisse versifiziert zu Papier gebracht. Meine Erwägung, er könne den Vortrag seiner Gedichte wohl auch allein bewerkstelligen, wischte er mit dem Argument vom Tisch, dies müsse ausgeschlossen werden, weil er, Strahl, ein gar kümmerlicher Interpret eigener literarischer Erzeugnisse sei. Ich pflichte meinem dichtenden Freund in diesem Punkt keinesfalls bei, respektiere jedoch so viel Selbstkritik und Entschiedenheit. Außerdem ist die auf der Schallplatte rezitierende und singende Garde erlesener Schauspieler sowieso ein äußerst reizvoller zusätzlicher Kunstgenuß.
Liebhaber Strahlscher Poesie, aber auch Unkundige haben nun die Möglichkeit, einen sorgfältig ausgewählten Extrakt des fünfzigjährigen Reimwerkers anzuhören und zu genießen. Ich muß mir überhaupt keine Mühe geben zuzugeben, daß ich dutzende der Strahl-Gedichte beneidenswert anmutig und nahezu klassisch finde.
Dabei sind Verse nur ein Bruchteil dessen, was Strahl in fünfundzwanzig Dichterjahren geschöpft hat. Er ist der heiterpoetische Landsmann mit dem breitesten literarischen Fächer. Rudi Strahl hat ausgiebig Prosa, darunter Romane und Erzählungen wie „Der Krösus von Wölkenau“ und „Du und ich und Klein-Paris“, geschrieben, und er ist Erzeuger vieler, vieler Kinderbücher, Filme sowie hier liegt Strahls Schwerpunkt seit Ende der sechziger Jahre Komödien über Komödien. Mindestens die beiden Erfolgsstücke „In Sachen Adam und Eva“ und „Ein irrer Duft von frischem Heu“ werden als Dauerbrenner vermutlich über unser Jahrhundert hinaus auf den Bühnen zwischen Jerewan und Paris Furore machen.
Ich wünsche Rudi Strahl bezogen auf die Schallplatte und auch im anderen Sinn eine allzeit gute Presse und die weite Hinausschiebung des Zeitpunktes, zu dem alle Freunde des Autors ihn zitierend seufzen müssen: Jetzt ist Feierabend, Strahl!
Hansgeorg Stengel
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