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Covertext:
Vom Schlauraffenland aus Grimm’s Märchenbuch:
„In der Schlauraffenzeit, da ging ich und sah einen jungen Esel, mit einer silbernen Nase, der jagte hinter zwei schnellen Hasen her, und eine Linde, die war breit, auf der wuchsen heiße Fladen. Da hörte ich Fische miteinander Lärm anfangen, daß es in den Himmel hinaufscholl, und ein süßer Honig floß wie Wasser von einem tiefen Tal auf einen hohen Berg; das waren seltsame Geschichten. Da waren zwei Krähen, mähten eine Wiese, und ich sah zwei Mücken an einer Brücke bauen, und zwei Tauben zerrupften einen Wolf. Da sah ich zwei Windhunde, brachten eine Mühle aus dem Wasser getragen, und eine alte Schindmähre stand dabei, die sprach, es wäre recht. Und im Hof standen vier Rosse, die droschen Korn aus allen Kräften, und zwei Ziegen, die den Ofen heizten, und eine Kuh schoß das Brot in den Ofen. Da kräht ein Huhn: ,Kikeriki, das Märchen ist auserzählt, kikeriki!‘ “
Im Märchen konnten sich alle guten Wunsche erfüllen. Da kann für den, der hungrig ist und kein Brot hat, im Bach Milch und Honig fließen. Ein einfacher Holztisch zaubert ohne Mühe Brathühnchen, grüne Klöße und Schokoladenpudding, und Stroh kann in Gold verwandelt werden.
Oft genug hatten die Helden der Märchenerzähler diese wundertätigen Zauberkräfte auch nötig. Denn immer haben die Märchenhelden schwierige Taten zu bestehen. Ein böser Drache ist zu besiegen oder ein gefräßiger Wolf. Ein habgieriger König kann nicht genug Gold und Edelsteine bekommen, oder ein ebenso unersättlicher böser Zwerg raubt den Bauern die ganze Hafer- und Kornernte. Und wenn dann alle überwundene Angst, aller kluger Mut nicht weiterhelfen, dann schenkte der Märchenerzähler seinen kleinen und großen Helden ganz einfach ein Wunder. Aschenbrödel bekommt von einem Zauberbaum wunderschöne Kleider und Schuhe, und eine goldene Kutsche fliegt sie über Berge und Flüsse zum Fest des Königssohnes. Aus dem traurigen Frosch wird ein fröhlicher und glücklicher Prinz. Und Rotkäppchen hat im Wolfsbauch ganz einfach nur geschlafen.
Aber weil natürlich auch die bösen Drachen, Könige und Zwerge über feuerspeiende oder giftige Zauberkräfte verfügen, haben es die Helden der Märchenerzähler trotz ihrer Zaubermittel niemals einfach. Immer müssen sie wachsam sein und im richtigen Augenblick klug und mit Bedacht handeln. Auch kann es ihnen passieren, daß sie ganz alleine nichts erreichen können. Dann müssen sie sich Helfer gewinnen, wie der Soldat aus dem Märchen „Sechse kommen durch die ganze Welt“. Aber dann können die bösen Zauberkräfte und ihre Besitzer doch schließlich immer unschädlich gemacht werden, weil bei unseren Helden eben nicht nur Wunder sind, sondern auch Mut, Hilfsbereitschaft und ein gutes Herz. Und so dienen am Ende die Wunderkräfte doch immer nur denen, die sie
zur Besiegung ihrer Not und ihrer Feinde nötig haben.
Und daß ein Bär oder ein Kater denken und wie ein Mensch sprechen und handeln kann, auch das ist im poetischen Land der Märchen nichts Außergewöhnliches. Denn wenn der arme Hans mit seinem Freund, dem Kater, sein letztes Stück Brot teilt und ihm seinen liebsten Wunsch ein Paar Stiefel aus Leder erfüllt, so wird er von ihm ein ganzes Königreich dafür erhalten. Und Hans wird sich darüber nicht wundern, sondern sich ganz einfach freuen.
Hat er von seinem gestiefelten Freund doch gelernt, wie man mit klugen Überlegungen auch die mächtigsten Zauberer überlisten kann. Der gestiefelte Kater hat ihm geholfen, seine eigenen Fähigkeiten zu entdecken.
So einfach und wunderbar berichteten die Märchenerzähler des Volkes.
Dolores Hofmann
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